Ein neuer Generationenvertrag muss her – die Alten werden für die Jungen sorgen (müssen)

„Demografischer Wandel“ und „Ungleichgewicht der Generationen“ – was so harmlos klingt, sehen wir derzeit in der ZDF Doku-Fiction „2030 – der Aufstand der Alten“. Hier ist aus dem Generationen-Miteinander ein Generationenkrieg geworden. Ist das jetzt noch Science Fiction oder schon ernstzunehmende Realität?

Fest steht seit langem, dass die Generationen-Balance – und damit der Generationenvertrag - außer Kraft gesetzt ist. Die Umkehr der Bevölkerungspyramide ist im vollen Gange. Bereits heute beträgt der Anteil der über 65 jährigen in Deutschland fast 30 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Im Jahr 2050 wird er bei über 50 Prozent liegen.

Als die deutsche Sozialversicherung 1881 von der Bismarck’schen Regierung ins Leben gerufen wurde, konnte man von einigen „eisernen“ Regeln ausgehen: Es herrscht Vollbeschäftigung in Deutschland, die Menschen können sich glücklich schätzen, wenn sie 70 Jahre alt werden und „Kinder kriegen die Leute immer“. Letzteres wurde von Konrad Adenauer in den 1940er Jahren sogar bekräftigt. Aber es kam anders.

Längere Rentenbezugszeiten und immer weniger Beitragszahler führen zu leeren Rentenkassen und Rentenkürzungen. Die heutigen Rentner gelten als „gut abgesichert“ – für künftige Rentnergenerationen gibt es weder Rücklagen noch genügend Einzahlungen einer nachfolgenden Generation.

Constanze Hintze, Geschäftsführerin von Svea Kuschel + Kolleginnen, Finanzdienstleistungen für Frauen, fordert deshalb einen neuen privaten Generationenvertrag.


Frau Hintze, Sie fordern einen neuen Generationenvertrag und ergreifen Partei. Für wen konkret?

Constanze Hintze: Es sind vor allem die heutigen Berufstätigen, die, die die Nettozahler sind. Die Generation der „Babyboomer“ (das sind Geburtsjahrgänge 1955 bis 1965) müssen gleich für drei Generationen zahlen: Sie zahlen in die Rentenkassen für die heutigen Ruheständler, zahlen für ihre eigene Vorsorge und zahlen für die Absicherung und die Bildung ihrer Kinder.

Wie kam es zum Kippen des alten Generationenvertrags? Das hat doch früher gut funktioniert.

Constanze Hintze: Sie sprechen richtigerweise die Vergangenheit an. Da hat der Lastenausgleich zwischen den Generationen gut funktioniert. Der deutsche Generationenvertrag, nach dem die heutigen Jungen für die heutigen Alten zahlen, lässt sich in der bewährten Form aber nicht aufrecht erhalten. Die heutigen Rentner können sich noch zum Teil über üppige Renten freuen. Glaubt man den veröffentlichten Zahlen, dann schwimmt die ältere Generation im Geld: Rund 55 Prozent des Volksvermögens liegt in den Händen der Menschen, die heute 59 oder älter ist. Die gesetzliche Rente der heutigen Rentenbezieher war eine gute Geldanlage: zwischen 4 und 5% ist die „Rentenrendite“ der heute 70jährigen.

Die jüngeren Berufstätigen heute können bei ihrer gesetzlichen Rente nur noch auf eine Basisabsicherung hoffen. Bei Eintritt in den Ruhestand werden die 1960er Jahrgänge magere Renditen von „um die ein Prozent“ erwarten können. Ohne Berücksichtigung von Steuern, Krankenversicherung und Inflation wohlgemerkt.... Das kommt einer Enteignung gleich.


Wie kann ein „neuer Generationenvertrag“ aussehen?

Constanze Hintze: Wir wünschen uns einen Vertrag, der keine Generation benachteiligt und die Lasten gerechter verteilt. Uns schwebt vor, dass die „Generation 65+“ ihre Verantwortung wahrnimmt und ihren Part im Generationenvertrag neu begreift und handelt.

Konkret geht es darum, sich selbst für den Fall der Pflege abzusichern, den Grundstein für die Berufsunfähigkeitsabsicherung der Kinder zu legen und sie bei der Altersvorsorge zu unterstützen. Zudem sollten sie Geld für die Ausbildung der Enkelkinder anlegen.

Die jungen Menschen, die jetzt mitten im Berufsleben stehen und für die jetzigen Rentner zahlen und für die, die heute berufs- oder erwerbsunfähig sind, geraten zunehmend unter Druck. Sie müssen entlastet werden.


Wie genau stellen Sie sich die Erleichterungen für die junge, berufstätige Generation vor?

Constanze Hintze: Da ist es zunächst einmal wichtig, die Faktoren zu erkennen, die den Vermögensaufbau so mühsam machen.

  • Die gesetzliche Berufsunfähigkeitsversicherung gibt seit dem 01.01.2001 für die Jahrgänge ab 1961 nicht mehr. Der Berufsschutz ist für diese Generation aufgehoben; es gibt nur noch eine Erwerbsminderungsrente.
  • Jede(r), der mehr als 3 Stunden am Tag arbeiten kann, geht gänzlich leer aus. Dabei wird mittlerweile jede 4. Rente nicht als Altersrente, sondern als Rente aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls eingereicht. Hier müssen die Menschen privat vorsorgen.
  • Sozialversicherungsabzüge von bald 50 Prozent, ein Solidarbeitrag, der 17 Jahre nach dem Mauerfall immer noch unvermindert erhoben wird und seit 2007 höhere Ausgaben durch die Mehrwertsteuer machen zusätzliches Sparen für die private Vorsorge zu einem Kraftakt.
  • Reichen die Ersparnisse der Eltern nicht aus, um die Kosten einer notwendigen Pflege zu bezahlen, müssen die Kinder hierfür aufkommen (Stichwort „Elterunterhalt“)
  • Die Senkung der Sparerfreibeträge ab 01.01.2007, die geplante Einführung der Abgeltungssteuer ab 2008 zehren dann auch noch am mühsamen Vermögensaufbau.

Für viele Frauen kommen noch weitere Belastungen hinzu:

  • Jede 2. Ehe in deutschen Großstädten wird geschieden, jedes 4. Kind wächst in einem 1-Elternhaushalt zumeist bei der Mutter auf. 40% der Kinder von Alleinerziehenden – und das sind ja zumeist Frauen – sind von aktuter Armit beroffen. Es ist mittlerweile wahrscheinlicher, in Deutschland ein armes Kind als einen armen Rentner zu treffen.
  • 45% der Frauen in Westdeutschland (Ostdeutschland: 28%) arbeiten Teilzeit. Sie erreichen dann aber selten einkommensstarke berufliche Positionen. Sie haben weniger die Chance, die vielfältigen betrieblichen Altersvorsorgemodelle zu nutzen.
  • Die Pflegekassen stehen kurz vor dem Kollaps. Dann sind es oft Frauen, die ihre alten Eltern pflegen ... und erneut von beruflichen Chancen ausgeschlossen sind.

Fazit: Es fehlen der Babyboomer-Generation schlichtweg die finanziellen Möglichkeiten!

Ja, aber die junge Generation wird doch einmal alles erben. Es ist ja davon die Rede, dass bis 2015 große Werte von Geld-, Immobilien- und Firmenvermögen auf die Kinder und Enkelkinder übertragen werden. Da geht es um schätzungsweise 2.000.000.000.000 Euro, das sind 2 Billionen Euro.

Constanze Hintze: Schön wäre es. Doch leider sind die Erbschaften zum einen nur auf wenige Menschen verteilt. Der Generation der Wirtschaftswunderjahre steht immer weniger Erben gegenüber. Erhielten früher noch drei, vier oder mehr Personen einen Nachlaß, so wird dies in Zukunft eher die Ausnahme sein. Die Schere zwischen „arm“ und „reich“ wird wieder einmal größer.

Und was wir auch nicht vergessen dürfen ist der Umstand, dass die vermögenden Senioren im Ruhestand ungeheuer aktiv sind. Sie wollen reisen, ins Theater gehen und Ihren Passionen nachgehen. Das kostet Geld. Zudem werden Vermögensteile für die Kosten der Medizin und die private Pflege aufgewendet werden müssen. Die Erbmasse schwindet, weil sie zu Lebzeiten verbraucht wird. Auch das ist ein gravierender Unterschied zu früheren Vermögensübertragungen. Wir raten unseren jüngeren Kunden dazu, besser nicht mit dem Erbe als Altersvorsorge zu rechnen.


Was lässt Sie so optimistisch sein, dass die Menschen bei einer Umkehrung des Generationenvertrags mitmachen?

Constanze Hintze: Im wesentlichen nährt sich unser Optimismus aus unseren Beratungserfahrungen. Wir greifen diese Problematik stets auf. Zumindest im familiären Umfeld zeichnet sich eine große Bereitschaft ab, seine Kinder zu entlasten. Weshalb wir auch vom privaten Generationenvertrag sprechen. Das bedeutet, dass die Verantwortung in der Familie beginnt und so schlussendlich unserer Solidargemeinschaft zugute kommt. Der Sozialstaat ist nur noch für die Härtefälle da.


Und welche Anlagen sind sicher vor der demografischen Entwertung?

Constanze Hintze: Hintergrund Ihrer Frage ist sicher das Szenario des möglichen „Asset Meltdown“. Das besagt ja, dass wenn die heutigen Babyboomer ab 2025 in den Ruhestand gehen, sie all ihre Vermögenswerte verkaufen müssen. Diesem Verkaufsangebot würden aber aufgrund des Bevölkerungsrückgangs nur wenige Käufer gegenüber stehen. Inzwischen geht man aber davon aus, dass diese Prophezeiung überschätzt wird. Zum einen, weil der Verkauf über einen langen Zeitraum von 15-20 Jahren erfolgen wird und zum anderen, weil die Geld- und Vermögenswerte schon jetzt globaler angelegt werden. Verkäufern steht nun der ganze Weltmarkt zur Verfügung – der Globalisierung sei dank!

In der gesetzlichen Altersvorsorge ist die Abkehr vom Umlageverfahren hin zur kapitalgedeckten Altersvorsorge richtig und bereits eingeleitet. Riester- und Rürup-Verträge sind ein erster Schritt. Aber sie decken bei weitem nicht das Rentenloch eines jeden einzelnen. Da darf man sich nichts vormachen. Riester kompensiert nur die Rentenkürzung nach der Einführung der Rentenreform 2003.

Sachwerte, wie Aktien, Immobilien und Beteiligungen, sind in jedem Fall Teil der privaten Altersvorsorge. Und da die Kapitalrenditen in den jungen Volkswirtschaften der Welt – also die Schwellenländer in Asien und Osteuropa – höher sind als im Inland, werden diese Märkte zunehmend auch Teil einer ausgewogenen Anlagepolitik. Die großen Kapitalsammelstellen, wie Versicherungen und Pensionskassen, berücksichtigen dies ja in ihren Anlageentscheidungen. Denn am Ende ist eines klar: Die viel gescholtene private Rentenversicherung ist eine der wenigen kapitalgedeckten Vorsorgeinstrumente, die unser langes Leben bis zum Ende finanzieren.


Über uns:

Svea Kuschel hat frühzeitig den Beratungsbedarf von Frauen in Finanzfragen erkannt und 1986 – als erste in Deutschland – ein Beratungsunternehmen vonFrauen für Frauen gegründet. Für ihr Engagement hat sie die Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste" erhalten. Heute gilt das Unternehmenals die Top-Adresse, wenn es um kompetente, umfassende Beratung in Sachen finanzieller Alterssicherung und erfolgreicher Vermögensstrategien geht. Durch die kompetente Beratung und ein umfangreiches Leistungsangebot gelingt es uns, Frauen über ihren gesamten Lebenszyklus zu beraten. Seit Juli 2005 ist Constanze Hintze Geschäftspartnerin von Svea Kuschel. Ihr Anliegen ist es, die Qualität und den Anspruch von Svea Kuschel zu erhalten und auszubauen, da die persönliche Freiheit von Frauen eng mit ihrer finanziellen Unabhängigkeit verbunden ist. Sie finden Svea Kuschel und Kolleginnen in München (Stammsitz), Hamburg und Frankfurt.

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