Spätestens seit dem denkwürdigen Rededuell zwischen dem amerikanischen Präsidenten und seinem Herausforderer fragt sich so manche Anlegerin, ob man eigentlich noch in den USA sein Geld anlegen kann. Die USA sind politisch und gesellschaftlich tief gespalten und die lautstarke America First-Politik Donald Trumps passt nicht so recht zum Weltbild von uns Europäern. Man habe irgendwie „kein gutes Gefühl“, hören wir vereinzelt. Doch Anlageentscheidungen sollten nicht von Emotionen geprägt sein, weshalb ein differenzierter Blick auf die nach Bruttoinlandsprodukt immerhin größte Volkswirtschaft der Welt hilfreich ist.

US-Dollar und Wall Street

Der US-Dollar ist vor dem Euro und dem Yen die wichtigste Währung der Welt, an der sich viele andere Länder orientieren. Die New Yorker Wall Street ist nach Marktkapitalisierung der größte Aktienmarkt der Welt. Allein 24 der 30 weltweit größten Börsenkonzerne im MSCI All Country World Index stammen aus den USA. Die größten Innovationen der letzten Jahrzehnte haben in den USA ihren Ursprung. Das gilt nicht nur für die Technologiebranche, sondern auch für andere Wirtschaftszweige wie Medizintechnik, Healthcare- oder dem Energiesektor. Branchen, die der aktuellen Krise trotzen.

Große Trends beginnen in den USA

Wer in Aktien investiert, möchte an erfolgreichen Unternehmen partizipieren, die es verstehen, Megatrends aufzuspüren und erfolgreich zu besetzen. Die USA sind hier ohne Zweifel federführend: APPLE, Facebook, Amazon, Netflix und Alphabet, besser bekannt als Google, dominieren seit Jahren den Markt. Zudem beschleunigt die Corona-Pandemie Entwicklungen, von denen zahlreiche Tech-Unternehmen profitieren: E-Commerce statt Shopping-Mall, Home-Office statt Montagmorgen-Stau, Energieeffizienz statt Klimasünde. An diesen Trends wird sich unabhängig vom Wahlausgang im November auch nichts ändern.

Beide Kandidaten auf das Präsidentenamt haben die Belebung der US-Wirtschaft und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zum Ziel, allerdings auf unterschiedlichen Wegen und mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Während Trump die Unternehmen entlasten möchte, hat Biden die Bürger (Gesundheit, Konsum) und den Klimaschutz im Blick. Man rechnet deshalb mit weiteren fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen und Hilfspaketen, um die amerikanische Wirtschaft zu stützen. Der gegenüber Europa flexiblere US-Arbeitsmarkt kann sich dabei als vorteilhaft erweisen.

Bei der Aktienauswahl spielt weniger das Land, als vielmehr das Unternehmen und die Branchenzugehörigkeit eine entscheidende Rolle.

Nebenbei bemerkt: auch wer ESG-konform, also nachhaltig investieren möchte, darf die amerikanischen Tech-Unternehmen nicht außen vor lassen. Mit ihrer Technik tragen sie zu einem besseren Wirtschaften bei, indem sie beispielsweise Technologien entwickeln, mit denen nachhaltige Lösungen umgesetzt werden. Gerade die großen Unternehmen können sich der Nachhaltigkeitsentwicklung gar nicht entziehen, weil sie mit dem wachsenden Einfluss von nachhaltig orientierten Investoren quasi unter ständiger Beobachtung stehen.

Trotz aller Zweifel, die im aktuellen Umgang mit der Corona-Krise möglicherweise noch wachsen, kommen Anleger an den USA nicht vorbei. Unter dem Strich wird die Wahl guten US-Unternehmen keinen Schaden zuführen. Die USA werden noch lange die globale Wirtschaftsmacht Nummer eins bleiben.